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Montag, 22. Dezember 2014

Freude im Advent

Dieser Beitrag ist dem jungen Mann von mittlerweile wohl 13 Jahren gewidmet, der bei mir in regelmäßigen Abständen Geschenke für seine Mutter kauft.
Ich bin ihm vor etwa vier Jahren zum ersten Mal begegnet. Er kam in die Buchhandlung, sah sich kurz um und kam dann überraschend selbstbewusst auf mich zu mit den Worten: "Ich suche ein Geschenk für meine Mama. Sie hat bald Geburtstag und liest gern. Am liebsten mag sie Krimis, vor allem die von [...], aber da hat sie schon alle. Zuletzt hat sie das Buch [...] gelesen, das hat ihr richtig gut gefallen. Nicht so toll fand sie das da (zeigt auf einen gängigen Bestseller), aber dafür mochte sie [...] sehr gerne. Können Sie mir vielleicht was Passendes zeigen?" Ich war einen Moment sprachlos darüber, wie gut der Knirps von neun Jahren, der da vor mir stand, den Buchgeschmack seiner Mutter kannte (die meisten Ehemänner kennen ihre Frauen nicht so gut!) und stürzte mich begeistert in die Beratung. Ein paar Bücher verwarfen wir, weil die schon bekannt waren. Schließlich hatten wir drei Bücher in der engeren Auswahl. "Ist es in Ordnung (ja, er sagte "in Ordnung", nicht "okay"!), wenn ich mich kurz hier hinsetze und noch mal in Ruhe die Klappentexte lese?" Ich hätte ihm am liebsten noch Kakao und Kekse hingestellt - wir hatten nur leider weder das eine noch das andere da.
Nach etwa zwanzig Minuten hatte er sich für ein Buch entschieden und bat mich ganz höflich, ob ich ihm nicht eine Umtauschkarte für das Buch geben könne, nur falls seine Mama doch lieber was anderes möchte. Ich bot ihm an, ihm das Buch auch gleich als Geschenk zu verpacken. "Nein, danke. Das ist sehr nett, aber das mache ich lieber selber."
Er kommt immer kurz vor Weihnachten und kurz vor dem Geburtstag seiner Mutter. Er ist immer noch so liebenswert und höflich. Er schenkt ihr immer noch Krimis. Manche hat er jetzt auch schon gelesen (die harmloseren). Jedes Mal, wenn er in den Laden kommt, freu ich mich wie verrückt, dass er wieder da ist. Und jedes Mal muss ich mich zusammenreißen, um ihm nicht Dinge zu sagen wie: "Bewahr dir diese Aufmerksamkeit! Behandle alle Frauen in deinem Leben mit dieser Aufmerksamkeit (und wenn du magst, auch die Männer) und sorge dafür, dass deine Mutter es nicht erfährt! ( ;o) ) Bleib so liebenswert!" Das wäre albern und blöd und überflüssig, deshalb sage ich es ihm nicht.

Letzte Woche kam eine Frau zu mir, ein paar Jahre älter als ich, und musterte mich erstmal ein wenig. Dann meinte sie: "´Sie müssen das sein. Sie sind#s doch, oder?" (Verwirrte und verwirrende Begrüßungen sind nichts Seltenes bei uns im Einzelhandel, also fiel es mir leicht, die Fassung zu wahren.) Ich lächelte und meinte, klar, bestimmt sei ich - wer auch immer sie glaube, dass ich sei. Daraufhin lachte sie und entschuldigte sich und erklärte: "Ich wollte endlich mal die Frau kennenlernen, die meinem Sohn immer die Bücher empfiehlt." Also lernte ich endlich auch mal die Mutter kennen, für die ich mit dem Jungen immer Bücher raussuchte. Schön war das. Ein kleines Weihnachten vorneweg, möchte ich sagen.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Lieblingspfunde

Ich mag Redewendungen, mochte sie schon immer. Ich versuche immer herauszufinden, woher sie kommen und wie sie entstanden sind und sich entwickelt haben. Bei einigen ist es naheliegend, bei anderen nicht so sehr.
Und ganz andere mag ich einfach nur so, weil sie schön klingen. "Mit seinen Pfunden wuchern" gehört zu dieser letzten Kategorie. Möglicherweise, weil bei mir die Pfunde nur so vor sich hinwuchern, während ich meinem Lieblingssport ("Auf-dem-Sofa-lesen") nachgehe. Und weil sie alle bei meiner Lieblingsbeschäftigung entstanden sind, sind es auch alles Lieblingspfunde.
Ich mag noch andere Pfunde gerne - die Gewichtseinheit zum Beispiel. "Ein frisches Zwei-Pfund-Brot, bitte!" gehört zu meinen ersten selbstständig geäußersten Einkaufswünschen. "Darf's ein Pfund mehr sein?" als augenzwinkerndes Angebot an die Lieblingskunden, die immer mit einem riesigen Stapel Bücher aus dem Laden gehen. Von dem Pfund Weihnachtsplätzchen, die ich letztens gehamstert habe, mal ganz zu schweigen...
Oder das Zahlungsmittel! Das britische Pfund gehört definitiv zu meinen Lieblingswährungen! Könnte dran liegen, dass ich für gewöhnlich in Großbritannien bin, wenn ich es ausgebe. Und Großbritannien ist einfach nur toll!
Wozu dieser Blogbeitrag?, mögt ihr euch jetzt vielleicht fragen. Ehrlich gesagt habe ich keine vernünftige Antwort darauf. Außer der kleinen Inspiration, die die Lieblingsfunde hier im Blog ausgelöst haben. Und die leise Wehmut, dass "Pfund" ein leicht angestaubtes Wort zu werden droht (wenn man nicht die Währung meinte). Und so negativ belegt ("Ein paar Pfund mehr auf der Waage" mag ja kaum jemand sehen...). Also dachte ich, ich erkläre mal meine Lieblingspfunde. Getan.

Sonntag, 7. Dezember 2014

Meine Mama und Geschichten

Als ich noch klein war - also, noch kleiner als heute - konnte man mich nur schwer vom Spielen abhalten. Ich war so vertieft, dass ich alles vergaß: Das Wetter, die Zeit, dass ich auf Klo musste... (Ich halte mich hier an Bastian Balthasar Bux: Wieso muss in Büchern eigentlich nie jemand pinkeln?) Das einzige, was ich noch lieber mochte, waren Geschichten. Eines meiner ersten Spielzeuge war ein Würfelpuzzle, auf dem ich sechs verschiedene Märchenbilder legen konnte. Und wir hatten ein Märchen-Quartett, von dem die Bilder zu "Jorinde und Joringel" meine liebsten waren. Ganz zu schweigen, von dem wunderschönen alten Märchenbuch, das meine Mama besitzt und in dem ich ganz vorsichtig blättern und die Zeichnungen bestaunen durfte.
Meine Mama hat mich mit Geschichten geimpft. Ich sehe uns zu dritt - meinen Bruder, meine Mama und mich - im elterlichen großen Bett liegen, meine Mama mit einem Buch in der Mitte, vorlesend. Pony Pedro, Der Wusnchpunsch, Grimm'sche Märchen, Der süße Brei, die Geschichte vom dicken Pfannkuchen und viele viele mehr. Die gemütlichste Zeit des Tages war das immer für mich. Aber nicht nur Bücher, auch Filme, Märchenfilme und Krimis und James-Bond-Streifen und Western und Komödien - alles, was es zu sehen gab, haben wir uns angeschaut. Noch heute ist es Tradition, dass wir zwei uns in den Weihnachtsnächten, wenn alle anderen schon friedlich schlafen (so nachts gegen halb drei...), nochmal eine Portion traditionellen Kartoffelsalat gönnen und Filme schauen - Klassiker wie die Miss-Marple-Filme oder "Wir sind keine Engel" oder eine andere Geschichte. Denn Geschichten, Geschichten sind ein ebenso besonderer Zauber wie Weihnachten - und die meisten Geschichten, die ich kenne, verdanke ich meiner Mama.

Sonntag, 30. November 2014

Mein Papa und Weihnachten


Ich war sehr lange Kind (aus heutiger Sicht etwa mein halbes Leben), und - auch wenn man das heutzutage ja kaum noch sagen darf, wenn man was werden will - meine Kindheit war größtenteils glücklich. Mit aufgeschrammten Knien, ungesunder Zuckerwatte, Schmetterlingszopfhaltern, Holzbauklötzen, einem großen Bruder und ziemlich großzügigen Eltern. Ich hatte als Kind zwei Lieblingszeiten im Jahr: meinen Geburtstag (im Sommer) und Weihnachten (ihr werdet es ahnen: im Winter).
Die Sache mit dem Geburtstag dürfte klar sein: Kuchen, Geschenke, ich war Bestimmer an diesem Tag (ja, Bestimmer, damals haben wir das noch nicht so dolle getrennt mit Bestimmer und Bestimmerin, in dem Alter hat man da eh keine großen Unterschiede gesehen) und meistens war Ende August herrlichstes Sonnenwetter. Außerdem bin ich ein Sonntagskind, ein richtig echtes Sonntagskind, und Sonntagskinder lieben ihre Geburtstage einfach.
Das mit Weihnachten ist nicht ganz so eindeutig. Oder: nicht so offensichtlich. Auch hier gab es natürlich Geschenke und Süßes. Aber das war nicht das Entscheidende.
Fangen wir am Anfang an. Als ich noch sehr sehr klein war - so klein, dass ich mich selbst gar nicht daran erinnern kann, aber die Geschichte wurde mir so oft erzählt, dass es mir vorkommt, als wäre ich dabei gewesen - als ich also noch sehr klein war, liebte ich das Geschenkeaufreißen. Ich krabbelte auf allen vieren durch die in der großelterlichen Wohnung aufgebauten Geschenke und riss alles auf, was verpackt war. War das Geschenk geöffnet, interessierte es mich nicht mehr, ich krabbelte zum nächsten.
Später liebte ich die Vorfreude, die Spannung, das Geheimnisvolle. Und den Schnee. (Ehrlich, früher hatten wir IMMER Schnee zu Weihnachten!) Besonders aber liebte ich die Adventssonntage.
Ich habe viele schöne Erinnerungen an Tage mit meinem Papa: auf seinem Rücken reiten, auf seinen Schultern sitzen und Michael Jackson in Prag sehen, zusammen Dinge bauen, Fahrrad fahren, Luftmatratzen aufpumpen, Kirschen ernten, Partyspiele auf Geburtstagsfeten,... Aber am liebsten sind mir die weihnachtlichen Erinnerungen: Alle paar Jahre versuchen wir uns an Pfefferkuchenhäusern, die vor sich hintrocknen, nachdem aller Zuckerguss und alles süße Schmuckwerk abgeknabbert sind. Immer schaltet er den Plattenspieler ein und streicht sorgfältig mit der kleinen weichen Bürste über die Vinylplatte mit den Weihnachtsliedern (wenn ihr alt genug seid, um das hier zu lesen, kennt ihr Vinyl noch. Oder schon wieder). Jeden Sonntag im Advent sitzen wir im Wohnzimmer, bei Stollen und Plätzchen und Kakao, und mein Papa schlägt das große blauweiße Buch mit der schönen, strengen Frau vorne drauf auf und beginnt "Erste Geschichte, die von dem Spiegel und den Scherben handelt" vorzulesen, den Anfang der "Schneekönigin". In meiner Erinnerung ist es immer die Schneekönigin. Die Kerzen am Adventskranz brennen, der Kakao dampft, ich stippe mit dem Finger in den vom Stollen gefallenen Puderzucker und picke mir die Rosinen heraus. Ich bin in der Geschichte und im Nachmittag. Während mein Papa vorliest, denke ich nicht an Wunschzettel oder an die Geschenke, die bestimmt schon irgendwo in der Wohnung versteckt sind. Ich denke nicht an den Bunten Teller, den ich mit niemandem teilen muss und dessen ganze Leckereien nur für mich ausgesucht sind. Ich konnte längst selbst lesen, selbst Plätzchen backen, selbst Geschenke basteln, kaufen, verstecken, verpacken in buntes Geschenkpapier, da gab es immer noch die gemütlichen Sonntage im Advent mit Geschichten und Gebäck. Und das ist es, was mir an Weihnachten damals und bis heute kostbar ist: Die Zeit, die friedliche Stille und die Geschichten. Die Ruhe, mit der meine Eltern die Weihnachtszeit angingen (so kommt es mir jedenfalls vor). Wie lange es dauerte, die Schallplatte vom Staub zu befreien! Wie lange wir dasaßen und die Wände des Pfefferkuchenhäuschens festhielten, bis der Zuckerguss endlich fest wurde. Wie sorgfältig wir Zuckerperlen und Schokostreusel, Rosinen und Mandeln auf die Plätzchen legten. Und wie gern ich noch länger auf Weihnachten gewartet hätte, hätte mein Papa mir dafür an noch mehr Sonntagen Geschichten vorgelesen.

Montag, 24. November 2014

Andrea Karimé - Schwelgen in Geschichten

Ohne Kaffee geht bei mir ja fast gar nichts. Bei Kinderbüchern, mit denen ich mich ja hauptberuflich hauptsächlich beschäftige, geht es selten um Kaffee, das ist ein bisschen schade. Umso schöner, dass Andrea Karimé ein ganzes Buch über eine schöne orientalische Kaffeekanne und deren Kind geschrieben hat. Ja, richtig, das Kind der Kaffeekanne. Wo das herkommt? Das verrate ich nicht. Dafür verrate ich, dass Andrea Karimé (zumindest teilweise) aus dem Libanon stammt. Wo sie einen Onkel Mustafa hat. Ein solcher Onkel taucht auch einem ihrer Bücher auf und erzählt ganz wunderbare Geschichten, zum Beispiel darüber, wei er den Mond vorm Ertrinken gerettet hat. Und wenn man diese Onkel-Mustafa-Geschichten dann von der Autorin persönlich vergetragen bekommt (gerne mit viel Geste dazu, immer mit großer Leidenschaft), kann man sich ihnen  nicht entziehen. Ganz wunderbare Geschichten, die herrlich geeignet sind für die Vorweihnachtszeit - und jede andere Zeit im Jahr!

Mittwoch, 19. November 2014

Gina Mayer - Lebhafteste Lesefreude

Ob ihr es glaubt oder nicht - aber die KinderbuchautorInnen in Deutschland sind ein bisschen wie eine große Familie. Man kennt sich. Man spricht übereinander, man tauscht sich über Projekte aus (und tauscht auch mal ein Projekt...) und manchmal schreibt man zusammen. Auf die Art hab ich Gina Mayer näher entdeckt. Natürlich kannte ich sie dem Namen nach schon eine Weile, vor allem, weil sie nicht nur für Kinder und Jugendliche schreibt, sondern auch für Erwachsene. Aber als sie eine Reihe mit Frank Maria Reifenberg geschrieben hat, kam ich nicht mehr an ihr vorbei. Und zu meinem großen Glück war sie erst kürzlich in der Nähe meiner Buchhandlung, um für Kinder zu lesen. Ich also hin - und vor lauter Begeisterung vergessen, den mitgebrachten Fotoapparat auszupacken und sie zu knipsen fotografieren, während sie las. Und sang. Und erzählte. Und einfach großartig war! Sie muss jetzt also dringend wiederkommen und hier lesen, damit ich Fotos machen kann. Und nochmal ihren tollen Geschichten lauschen.

Ach ja, und weil man sich kennt in der AutorInnenszene: Andrea Karimé war gleich nach Gina Mayer dran, dass passiert den beiden wohl öfter. Die begrüßten einander und plauderten und ich stand ganz begeistert dabei wie in meinen schwärmerischsten Teenie-Zeiten. Daher kam ich auch in den Genuss, eine weitere Autorin kennenzulernen (ich geb's zu: ich bin ein AutorInnen-Groupie!). Die eine eigene Lobhuddelei bekommen soll auf diesem Blog. In wenigen Tagen. Bis dahin: Lest das eine oder andere Buch von Gina Mayer!

Dienstag, 11. November 2014

Anke M. Leitzgen: Wissen über Wissen

Wissen ist was Feines. Wissen, wie Wissen geht, finde ich noch besser. Und es gibt eine Autorin, Anke M. Leitzgen, die weiß besonders gut, wie man das Wissen ums Wissen nutzt, um tolle Wissensbücher für Kinder und Jugendliche und, ja, auch für Erwachsene zu machen. Zuviel Wissen? Geht gar nicht! Ich bin zuerst auf sie aufmerksam geworden durch ihr wunderbares Buch "Entdecke, was dir schmeckt". Da räumt sie mit dem alten Leitspruch von Eltern "Mit Essen spielt man nicht!" auf. Mit Essen darf man sehr wohl spielen: wie das geht und wozu das gut ist, lest ihr am besten selbst nach.
Und dann kam vor kurzem die tinkerbrain-Reihe heraus. Für jeden Buchstaben des Alphabets gibt es ein spannendes Entdeckerbuch, das mit Experimenten und anderen Selbermach-Sachen dazu einlädt, die Welt zu entdecken.
Also: Wer wissen will, wie Wissen richtig Spaß macht, hält sich am besten an Anke M. Leitzgen!

Sonntag, 9. November 2014

Gefundene Worte - Erfundene Worte

Spundtrack. Schlaffein (als Gegenstück zu Koffein). Hoffein.

Manchmal stolpere ich ganz unvermittelt über wunderbare Wortschöpfungen (oder meine Finger stolpern darüber beim Tippen). Einige der Wortschöpfungen wachsen mir so sehr ans Herz, dass ich sie lieber benutze als das Originalwort. (Wie langweilig wird doch ein Soundtrack, wenn man auch einen Spundtrack haben kann. Schlaf-fein ist schön und gut, aber Schlaffe-in ist der Stoff, aus dem ich gemacht bin.)
Ein Hoch also auf Wortschöpfungen. Zufällige wie beabsichtigte. Solange sie nicht zu künstlich daherkommen. Die besten stellen sich mir im Schalf vor. Das ist sowas ähnliches wie Schlaf, nur mit mehr Eingebungen.

(Dank an das A&O und Ida di Camillo für die Nutzungsrechte ihrer Schöpfungen!)

Sonntag, 2. November 2014

Michael Ende: Unendliche Fantasie

Mein erster Kinderbuch-Schwarm war Atrejú. Und mein Lieblingsdrache ist immer noch und für alle Zeiten Fuchur. Meine Lieblingsschildkröte heißt Kassiopaia und mein Lieblingszungenbrecherwort ist satanarchäolügenialkohöllisch. Michael Ende, mein Autor des Tages, hat die meisten meiner Kinderbuchhelden erschaffen. Er hat mit der Unendlichen Geschichte ein Versprechen gegeben, von dem mir erst lange nach der Lektüre (und der Enttäuschung einer letzten Seite) bewusst wurde, wie hervorragend er es gehalten hat. Seine Biographie war die erste (und einzige), die ich ganz gelesen habe, und er selbst einer der ersten Autoren, deren Namen ich mir gemerkt habe. Ich könnte noch seitenweise von ihm schwärmen, aber wie er selbst sagte: Das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Paul Maar: Großes Herz für kleine Leute

Heute mal wieder, weil ein Feiertag und damit viel Lesezeit bevorsteht, ein Autor des Tages, einer von den großen alten Herren, könnte man sagen, Paul Maar. Über Größe lässt sich streiten (sag ich jetzt mal so von hier unten, von meinen 1,59m), über Alter sowieso, aber dass Paul Maar ein wunderbarer Kinderbuchautor ist, ist absolut unbestreitbar. Egal, ob die witzig-frechen Sams-Bücher, die wundervoll verträumten Lippel-Bücher, sein ABC für Erstleser, die Geschichten vom Tättowierten Hund, von Herrn Bello oder seine Kreuz-und-Rüben-Kraut-und-quer-Texte, lesenswert sind sie alle. Ein kluger Autor, der seine Liebe zu Kindern und zu Geschichten für Kinder einfach nicht verbergen kann. Und das liest man in jedem Wort.

Freitag, 24. Oktober 2014

Barbara van den Speulhof: Tapferste Elfen und reiselustige Ginpuine

Barbara van den Speulhof ist heute meine persönliche und sowas von von Herzen kommende Empfehlung für euch. Warum? Weil sie die tollsten Elfengeschichten schreibt. Und wer mich kennt, weiß, dass ich NIE sage, dass Elfengeschichten toll sind. Aber "Pippa, die Elfe Emilia und die Katze Zimtundzucker" und "... und die Käsekuchenschlacht" sind einfach großartig. Zumal Emilia nicht so ein zartes, immer graziöses, immer lächelndes braves Geschöpfchen mit Flatterkleidchen und Glitzer ist. Emilia ist mutig für drei! Mindestens! Und das finde nicht nur ich, sondern auch ein Mädchen, das heute in den Laden kam und meinte: "Bestellst du mir das Buch? Ich hab es schon aus der Bibliothek geliehen und gelesen, aber ich MUSS es einfach haben." Und auch die Mama von dem Mädchen: "Endlich, ENDLICH hat sie diese Rosa-Glitzer-Schischi-Phase hinter sich. Von solchen Elfen kann es mehr geben!" Das finde ich auch. Also los, wenn ihr Mädels zuhause habt, deren Rosa-Phase schon zu lange dauert, zieht los und kauft in eurer Lieblingsbuchhandlung Barbara van den Speulhofs Bücher. Auch die Geschichte vom reisenden Ginpuin mit Sprachfehler. Ich würd's tun!
PS: Ich hab ihr das Buch nicht bestellt. Ich hatte es natürlich da.

Dienstag, 21. Oktober 2014

Hilke Rosenboom: Für Große und Kleine

Manchmal, nur gaaaanz manchmal, verkaufe ich Bücher, die ich nicht vorher persönlich gelesen habe. (Daraus ergibt sich die wohl am häufigsten bemühte Lüge meines Lebens: "Ja, das hab ich gelesen und es hat mir sehr gut gefallen!") Und wenn man da jetzt noch ein Manchmal draufsetzt, erhält man die Menge der Bücher, die ich schlussendlich doch noch gelesen habe. Das ging mir ganz lange so mit den Büchern von Hilke Rosenboom, meine heutige, leider schon verstorbene, Autorin des Tages. "Ein Pferd namens Milchmann" habe ich wohl rund 50 mal verkauft, ehe ich es gelesen habe, und dass ich es dann doch noch gelesen habe, kam so: Ich guckte mal eine Kochsendung (unwichtig, welche, gibt ja genug), in der jemand einen superleckeren Nachtisch (ja, ich komme aus der DDR, da war's nicht Dessert, sondern Nachtisch, basta!) zubereitete. Auf die Frage, wo das Rezept her sei, antwortete dieser kochende Mensch, es gebe da so ein Buch, "Rezepte, für die man geheiratet wird" von einer Hilke Rosenboom, ein rundum praktisches Werk, da stünde das drin. Ich merkte auf: Ein Kochbuch von einer Kinderbuchautorin? Na, gucken wir mal. Habe es mir (notgedrungen) antiquarisch besorgt, das Buch, und siehe da: Es war gar kein richtiges Kochbuch, sondern - Schreck lass nach! - ein Lebens- und Beziehungsratgeber. Schluck. Na, erstanden ist erstanden, da kann ich auch mal reingucken. Und siehe, es tat nur so, als sei es ein Ratgeber, dieses Buch, in Wahrheit aber ist es einfach ein geniales lustiges rezeptreiches Werk über Wahn und Witz der menschlichen Rasse. Und von da an war ich süchtig. Es gibt ja eine überschaubare Menge an Büchern dieser Autorin, die habe ich mittlerweile verschlungen. MIlchmann und die Rezepte haben immer noch Ehrenplätze in meinen Regalen inne. Die Rezepte, weil ich sie leidenschaftlich gerne nachkoche, und MIlchmann, weil es das tollste Pferdebuch ist, das ich kenne. Eins für Jungs und Mädchen. Und für Große natürlich auch.

Montag, 20. Oktober 2014

Kirsten Boie: Warmherzig und spannend

Die Feiertage sind rum, die Erkältung (beinahe) besiegt, der Arbeitstag neigt sich dem Feierabend zu und ich präsentiere: Die Autorin des Tages. Heute Kirsten Boie, nicht nur - aber auch - weil heute bei mir eine Familie ganze Stapel von ihren Büchern bei uns aus dem Laden getragen hat, glücklich bis in die Haarspitzen waren die Kinder, und ich auch. Kirsten Boie schreibt ganz zauberhaft schöne, spannende, witzige und liebevolle Kinderbücher UND außerdem beantwortet sie ganz hinreißend die Leserbriefe der Jungs und Mädchen, die ihr schreiben (die Tochter einer Kollegin hat mir mal einen Leserpost-Anwort-Brief von Kirsten Boie gezeigt, da mochte ich sie schon, und nach dem Brieflesen mochte ich sie gleich noch mehr!). Da finden sich Geschichten zum Vorlesen, zum Selberlesen für die Anfänger, zum Selberlesen für die Könner und zum Selberlesen für die, die schon keine Kinderbücher mehr lesen mögen, und sie alle kommen auf ihre Kosten. Also, ihr alle. Meine Lieblingsgeschichte zu Kirsten Boie geht so: Eine Freundin hat ihrer Tochter abends immer aus "Der kleine Ritter Trenk" vorgelesen, bis das Kind eingeschlafen war. Und eines Abends stolpert sie vor der Kinderzimmertür über ihren Mann, der da hockte und sagte: "Das ist so spannend, ich will doch auch wissen, wie es weitergeht!" Muss ich mehr sagen?

Sonntag, 19. Oktober 2014

Andreas Steinhöfel: Witz und Klugheit

Mit laufender Nase von der Erkältung und tränenden Augen vom Lachen empfehle ich heute Andreas Steinhöfel als Autoren des Tages. Der ist immer gut, wenn man ein Kinder- oder Jugendbuch braucht, wenn es witzig, aber nicht platt sein soll, klug, aber nicht belehrend, wenn es Jungsgeschichten sein sollen, die auch Mädchen mögen. Habe gerade wieder in "Dirk und ich" reingelesen (Vorarbeit für eine Lehrerin, die gerne passende Vorlesestellen wollte) und mich königlich amüsiert. Und die Rico-und-Oskar-Geschichten nehm ich sowieso immer wieder zur Hand, allein, weil Rico so schön "Neue Bundesländer" und "Orthografie" und viele andere komplizierte Dinge erklären kann. An der "Mitte der Welt" wachsen auch Erwachsene noch und zu "Der mechanische Prinz" hat Dirk Steinhöfel (ja, der kleine Bruder aus "Dirk und ich", der ist jetzt auch schon groß) das Cover gestaltet, was einfach toll ist. Außerdem hat Andreas Steinhöfel mehrere Preise bekommen (zu Recht!) und mit "Paul Vier und die Schröders" die beste Schullektüre geschrieben, die ich für das entsprechende Alter kenne. Ganz unabsichtlich! Also, reinlesen und Spaß haben!

Samstag, 18. Oktober 2014

Frank Maria Reifenberg: Lesen, Kicken, Lesen

Es ist Montag, es ist Feierabend, es ist Zeit für ein gutes Buch. Und für den Autor des Tages, heute ist das Frank Maria Reifenberg. Der hat den schönsten (Sommer-)Arbeitsplatz der Welt, schreibt großartige spannende Kinderbücher, hat einen tollen Blog (oder heißt es ein tolleS Blog?) und eine hervorragende Methode, um Jungs für Bücher zu begeistern - kicken&lesen schließt sich nämlich gar nicht aus! Außerdem gibt's bei ihm jede Menge Buchtipps für 4 Jungs (guckt einfach auf schreibkraftfmr.com vorbei, wenn ihr mehr wissen wollt) UND er wird nicht nur von Buchhändlern erkannt, wenn er irgendwo auf Messen und so ist, sondern erkennt auch Buchhändlerinnen (sogar die kleinen schüchternen... ). Ach ja, und prima Lesungen (derzeit mit Koffergrammophon) macht er auch noch.

Freitag, 3. Oktober 2014

Hädecke Verlag: Lecker und leckerer

So, heute kein Autor und keine Autorin des Tages, dafür ein Lieblingsverlag, nämlich der Hädecke Verlag. So schöne (und gute. Und praktikable!) Kochbücher muss man erstmal machen können. Ich persönlich liebe mein Panna-Cotta-Kochbuch aus diesem Hause, meine Freundin ist ganz hin und weg vom Sardinien-Kochbuch "Su coro sardu" von Andreas Walker und ich werde des öfteren von zwei Freunden bekocht und begrillt, ebenfalls nach Kochbüchern aus diesem schönen Verlag. Ein Buch über Foodblogs findet sich hier auch, genau wie vegetarische und vegane Kochbücher, außerdem gibt's einen verlagseigenen Kochblog und das Genusshasi (!) als Social-Media-Hasi-stent. Wenn ihr also noch unentschlossen seid, was es am nächsten Sonntag zu futtern geben soll, stürmt in die nächste Buchhandlung, kauft ein Hädecke-Kochbuch und lasst euch inspirieren! Und ich geh jetzt zum Herd.

Kai Lüftner: Verrückt und wild und liebenswert

So, gestern aufgrund des Dauerlesens glatt verpasst, einen Lieblingsautor des Tages zu posten. Ich bin aber sicher, dass mir das Kai Lüftner - Kreativitäter nachsehen wird. Der ist nämlich ein echtes Herzchen, verteilt davon auch ganz viele auf Facebook (und ich glaube ihm jedes einzelne davon! ) und ist überhaupt ein netter Mensch. Außerdem schreibt er supertolle witzige, spannende, freche, verrückte, manchmal auch ernste, immer schöne und immerschöne Kinderbücher, macht Musik (auf die alle eben genannten Attribute genauso passen), kann seine eigenen Bücher auch noch sehr sehr schön vorlesen (hochdeutsch, auch wenn er sonst aufs herrlichste berlinert), ist Obermilchpirat und Geschichten vom Bürgersteig-Schreiber. Wahrscheinlich kann er auch noch kochen und malen... Also: Guckt mal rein und vorbei und genießt!

Maja Nielsen: Abenteuer Wissen

Viele Eltern möchten ja, dass ihre Kinder beim Lesen auch gleich "was lernen können". Dagegen hab ich erstmal nichts einzuwenden, solange die Freude am Buch im Vordergrund steht. ("Nein, mein Herr, ich glaube wirklich, dass die Reich-Ranitzki-Biografie noch nichts für Ihren Erstklässler ist.") Es geht natürlich auch in Kombination: Spaß und Wissenserwerb lassen sich prima verbinden, wie Maja Nielsen beweist (genau, sie ist meine heutige Autorin des Tages). Ihre "Abenteuer! Maja Nielsen erzählt"-Reihe ist einfach großartig und auch ihre anderen Bücher (zuletzt erschienen: "Feldpost für Pauline") stecken voller Informationen, die super in Geschichen verpackt wurden. Da ist nichts trocken (außer vielleicht hier und da der Humor der Autorin, und das ist ja eindeutig ein Pluspunkt!), sondern alles spannend. Außerdem punktet Maja Nielsen mit einem süßen roten Auto, mit dem sie zu ihren Lesungen reist, unbändiger Neugier (wenn sie was wissen will, gibt sie keine Ruhe, bis sie es weiß!), viel mehr Wissen über Menschen aus der Geschichte als ich überhaupt kenne und einer tollen, frischen, lustigen Art, die noch jeden mitgerissen hat. Einen kleinen Eindruck bekommt ihr hier:

Rüdiger Bertram: Bertram ist, wo Geschichten sind

Heutige Autoren-Empfehlung: Kinderbuchautor Rüdiger Bertram. Der kann offenbar Karten lesen (im Gegensatz zu mir), gibt aber geographische Beschreibungen genauso von sich wie ich ("Norden ist, wo oben ist". Finde das einleuchtend). Außerdem kennt er sich mit Wikingern aus, mit Fußball, mit Coolness sowieso (wie hier bewiesen wird), trägt ab und zu Augenklappen bei Lesungen und erzählt von Kanonenkuchen. Muss ihn da bei Gelegenheit mal festnageln, dass er mir welchen backt. Ach ja, Geschichten vom Bürgersteig findet und schreibt er auch. Vielseitig, der Mann, sehr vielseitig.

Antje Herden: Weltretter und Stadtteilritter

Weil manche Autorinnen und manche Autoren einfach viel zu toll sind, um sie nicht jedem vorzustellen (wenigstens online...), präsentiere ich euch heute Antje Herden. Warum gerade sie? Neben ihrer wirklich freundlichen und lustigen Persönlichkeit (ehrlich, diese Geschichten vom Bürgersteig-Lesung zur Buchmesse Leipzig 2014 war soooooo schön!) gehört sie zu den wenigen Talentierten, die mit rosafarbenen Büchern auch Jungs überzeugen kann. Außerdem verteilt sie bei Lesungen Weltretter-Buttons!
Wer noch mehr wissen möchte, schaut am besten auf ihren Blog: Rauschmittel